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Sonntag, 17. April 2016

Isa Genzken in voller Blüte

Sind sie nicht wunderschön? Zugegeben der unglaubliche New Yorker Märzhimmel (ich habe das Bild nicht bearbeitet, ich schwör's) unterstreicht ihre Schönheit zusätzlich. Die beiden Orchideen wirken aufgrund der zehn Meter Höhe als hätte sie ein Außerirdischer an den südöstlichen Eingang des Central Parks gestellt, um die Menschen mit einem ganz besonderen Geschenk zu beglücken. Dass dem nicht so ist, wissen vor allem jene, die sie bereits letztes Jahr auf der Biennale in Venedig gesehen haben.

Isa Genzken in NYC
Isa Genzken hat sich den Blumengruß ausgedacht. Vor über zwanzig Jahren realisierte die in Bad Oldeslohe geborene und heute in Berlin lebende Künstlerin ihre erste Blumenskulptur – eine einzelne acht Meter hohe rote Rose, die ich zum ersten Mal vor der Glashalle der Leipziger Messe entdeckte. Ein Symbol der Liebe, ein Hauch von Poesie an einem Ort wie diesem. Sie blieb mir in Erinnerung, obwohl es viele Jahre her ist. Der Kontrast, das Überraschende, das Proportionen auf den Kopf stellen – das alles passt zu Isa Genzken und ihrem Werk. Auch ihre Orchideen sind ein Kontrastprogramm an dieser Stelle und schaffen es, sich gegen die Wolkenkratzer Manhattans zu behaupten. Man sieht sie schon von Weitem, beim Näherkommen werden sie imposanter und alles drumherum kleiner. Ob das auch für den Central Park gelte, wurde die Künstlerin während des Artist Talks in New York, organisiert durch den Public Art Fund, gefragt und reagierte mit einem verschmitzten Lächeln.

Heute hat die 67-Jährige mehr als einen Grund zu lächeln
. Ihre Ausstellungsliste der letzten drei Jahre liest sich wie das „Who's who“ der internationalen Museumslandschaft. Angefangen beim New Yorker MoMA über das Frankfurter MMK und das Amsterdamer Stedelijk Museum bis hin zur Bundeskunsthalle in Bonn und aktuell die große Retrospektive im Berliner Martin-Gropius-Bau. Die Zeit und die Menschen scheinen reif zu sein für Schaufensterpuppen in trashigen Klamotten (Schauspieler), überdimensionale Mikadostäbe (Ellipsoide und Hyperbolos), Architekturmodelle aus Pizzakartons (Fuck the Bauhaus) und Betonblöcke mit Antennen (Weltempfänger). Seit ihr das auch? Ich jedenfalls bin es und habe „Mach Dich hübsch“ in Berlin fest eingeplant. Zu sehen bis 26. Juni.


Und alle, die bis zum 21. August nach New York reisen, kommen an den „Two Orchids“ auf der Doris C. Freedman Plaza (an der Ecke 5th Avenue und Central Park South) sowieso vorbei. Wo sie danach zu sehen sein werden? Vielleicht im Skulpturengarten des Museum of Modern Art? Da wären sie in guter Gesellschaft, denn auch die „United Enemies“ von Thomas Schütte sind dahin umgezogen.




Bildnachweis/Photocredit:
oben: Jutta Kautny
unten: Ausstellungsansichten aus der Retrospektive im MoMA 2013/2014, alle Jutta Kautny

Donnerstag, 23. Mai 2013

Rineke wer? Dijkstra!

Als ich zum ersten Mal von der Ausstellung „The Krazy House“ im Frankfurter MMK Museum für Moderne Kunst las, konnte ich mit dem Namen der Künstlerin nichts anfangen. Rineke Dijkstra geht schließlich nicht gerade leicht über die Lippen, geschweige denn ins Gedächtnis. Dabei gehört die Niederländerin laut Pressemitteilung zu den weltweit bekanntesten Foto- und Videokünstlerinnen unserer Zeit. Und tatsächlich kam mir beim Besuch der Ausstellung die ein oder andere Arbeit bekannt vor. 

Dijkstras Videoinstallationen verwandeln Teile des MMK zu einem Nachtclub mit super Sound. Hier tanzen jedoch nicht die Besucher, sondern Kids auf übergroßen Leinwänden. Ihr Dancefloor ist keiner, denn sie bewegen sich meistens ganz allein vor einer weißen Wand. Anfangs sind sie eher schüchtern, fast verunsichert und man leidet ein wenig mit ihnen. Wer mag schon solo und dazu in so einer sterilen Atmosphäre abtanzen, da kann die Musik noch so gut sein. Aber es passiert: Plötzlich legen sie los, haben offensichtlich Spaß daran sich darzustellen und demonstrieren ein unerwartetes Selbstbewusstsein. Sie sind cool! Die Besucher sitzen im Dunkeln und staunen. Fehlt nur noch ein Drink und die Szenerie wäre perfekt. Entstanden ist die Videoinstallation 2009 im Liverpooler Nachtclub „The Krazyhouse“. Ausgesucht wurden die Kids bei einem nächtlichen Clubbesuch der Künstlerin, gefilmt hat sie die Auserwählten jedoch tagsüber. 

Menschen in „anderen“ Situationen scheint das Thema der 53-Jährigen zu sein, die in Amsterdam lebt und arbeitet. Ob in Videos oder auf Fotos die Protagonisten erzählen von sich, ohne Worte. Das tut auch die kleine Ruth, die in ihrer Schuluniform auf dem Boden sitzt und äußerst konzentriert ein Picasso-Gemälde abzeichnet (dass es Picasso ist, weiß man übrigens nur, weil die Installation „Ruth Drawing Picasso“ heißt). Minutenlang kann man vor diesem Video sitzen, dem kratzenden Geräusch des Bleistifts lauschen und sie beobachten. Oder die Porträtserie „Almerisa“, die die Entwicklung des fünfjährigen Flüchtlingsmädchens aus Bosnien bis hin zur jungen Mutter mit 19 Jahren dokumentiert. Allein über diese Aufnahmen könnte man Seiten schreiben, so viel an gesellschaftlicher Entwicklung steckt drin.

Rineke Dijkstra – ein Name, den ich mir jetzt garantiert merken werde. International bekannt sind ihre Arbeiten übrigens auch: Im letzten Jahr zeigte sie das Guggenheim New York und zu ihren Galerievertretern gehören so renommierte Namen wie Marian Goodman, deren Künstlerliste sich liest wie das „Who is Who“ der zeitgenössischen Kunst, und Max Hetzler, der auch Koons, Struth und Förg im Programm hat. 

Das MMK in Frankfurt präsentiert mit „Rineke Dijkstra. The Krazy House“ die bisher umfassendste Ausstellung der Künstlerin in Deutschland, allerdings nur noch bis 26. Mai. Ist zwar nicht mehr viel Zeit, aber dafür, erlässt das MMK am letzten Wochenende den Eintritt. Die Führungen sind ebenfalls kostenfrei. Das ist doch was, oder?


Bildnachweis/Photocredit von oben nach unten:
Die ersten drei: Rineke Dijkstra, The Krazyhouse (Megan, Simon, Nicky, Philip, Dee), Liverpool, UK, 2009, 
Videostill, Copyright Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin 
Rineke Dijkstra, Ruth Drawing Picasso, 2009,
Videostill Rineke Dijkstra, Copyright Rineke Dijkstra, Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin
Porträt Rineke Dijkstra, Foto: Gerald van der Kaap

Dienstag, 7. Mai 2013

Im Kosmos der Yoko Ono

Eintreten, ausprobieren und ehe man es sich versieht, ist man mittendrin. Wie die japanische Konzeptkünstlerin das schafft? Durch die Beteiligung der Betrachter – gewollt oder ungewollt. Nicht immer lässt sie den Besuchern eine Wahl. Oder vielleicht doch? Schon der Eingang zur „Half-a-Wind Show“ in der Frankfurter Schirn macht es deutlich: Drehtür oder Perlenvorhang? Beides ist möglich, der Ausgang (bzw. Eingang) ungewiss. Das geht weiter mit Entscheidungen wie Hand rein stecken in die „Danger Box“ oder nicht? Sich in den durchsichtigen Irrgarten wagen oder besser draußen bleiben? Die Konfrontation aufnehmen beim „White Chess Set“, dessen Schachfiguren alle weiß sind, oder aufgeben? Das ist die humorige Seite Yoko Onos. Ernster wird es zum Beispiel bei der Installation „Cricket Memories“, ein Mahnmal für die katastrophalen Verluste im Leben. Wer mag, kann eigene Erfahrungen in einem Buch niederschreiben. Ein Appell für ein friedliches Miteinander – auch das ist Yoko Ono.

Die vielen Facetten der Yoko Ono – mal humorvoll, mal politisch, mal feministisch, mal poetisch ... 






























Sie liefert uns Anregungen, fordert uns heraus, will das wir teilhaben, aber letztendlich bleibt es uns selbst überlassen, inwieweit wir einsteigen. Ich bin eingestiegen, habe in diesen drei Stunden einiges hinterfragt, mich aber auch köstlich amüsiert. Wollt ihr eine kluge Frau kennenlernen, mehr über euch selbst und Yoko Ono wissen und dazu eine tolle Ausstellung sehen – dann besucht „Half-a-Wind Show. Eine Retrospektive“ und lasst euch treiben im Kosmos der Yoko Ono. Leider nur noch bis 12. Mai.

Alle, die es nicht mehr rechtzeitig nach Frankfurt schaffen, können sich die von der Schirn konzipierte Ausstellung auch in Dänemark (Louisiana Museum of Modern Art, 7. 6. 2013 - 29. 9. 2013), Österreich (Kunsthalle Krems, 20. 10. 2013 - 23. 2. 2014) oder Spanien (Guggenheim Museum Bilbao, 18. 3. 2014 - 17. 9. 2014) ansehen.

Bildnachweis/Photocredit: 
Yoko Ono, Porträt 2013, Copyright Schirn Kunsthalle Frankfurt 2013, Foto: Gaby Gerster 
Imagine, Strawberry Fields New York, März 2013, Foto: Jutta Kautny
Restliche Abbildungen: Half-a-Wind Show, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Mai 2013, Fotos: Jutta Kautny

 

Sonntag, 3. Februar 2013

Yoko Ono kommt nach Frankfurt

Mit einem „Invitation Piece“ und einer Aufforderung zum Wünschen lädt sie zur Eröffnung ihrer Ausstellung in die Schirn Kunsthalle Frankfurt – typisch Yoko Ono. Menschen zum Mitdenken, Nachdenken und Handeln auffordern, ist ganz häufig Teil ihrer Kunst. Wer Yoko Ono die Feministin, die Menschenrechtlerin, die Umweltschützerin, die Friedensaktivistin und Musikerin kennt, nicht aber die außergewöhnliche Konzeptkünstlerin, hat ab dem 15. Februar in Frankfurt die Chance. Was euch erwartet? Rund 100 Objekte, Filme, raumfüllende Installationen, Fotos, Zeichnungen und Textarbeiten sowie ein eigener Musikraum, so steht es jedenfalls in der Presseinformation zur Ausstellung. Lassen wir uns überraschen.

Yoko Ono. Half-A-Wind Show. Eine Retrospektive zu sehen vom 15. Februar bis 12. Mai 2013 in der Schirn Kunsthalle Frankfurt


Bildnachweis/Photocredit: Jutta Kautny

Sonntag, 16. September 2012

Popeye, Hummer, Hulk & Co. zu Gast in Frankfurt, Teil 2

Jeff Koons, Popeye Train (Crab), 2008, Popeye, Öl auf Leinwand, 274,3 x 213,4 cm

Spontan erwachen Kindheitserinnerungen: Popeye ist ein toller Typ, ein echter Held und natürlich – Spinat ist gesund (die allerdings gehört eher zu den unangenehmen). Überlebensgroß, das Gemälde misst immerhin rund 2,70 Meter in der Höhe und ist über 2 Meter breit, baut sich hier in der Ausstellung der Frankfurter Schirn ein Relikt aus Kindheitstagen vor einem auf. Der Macher selbst, Jeff Koons (57), hat die Comicfigur vor einigen Jahren im Zimmer seines Sohnes entdeckt und zum Motiv auserkoren, wie er im Interview in der September-Ausgabe der Vogue erzählt. Aber das ist nur der erste Eindruck.Bei genauerem Hinsehen erkennt man sehr viel mehr, zum Beispiel ein Panzer-Tatoo auf dem muskelbepackten Oberarm. Und plötzlich verliert der Kerl seine Leichtigkeit, die Kindheitserinnerungen verflüchtigen sich. Da nützt es auch nichts, dass Popeye vor verschiedenen, farbenfrohen Bildebenen zu schweben scheint, die geballte Faust signalisiert etwas anderes. Ein Wechselbad der Gefühle, das sich nicht nur bei „Popeye“ auftut, sondern auch bei anderen Arbeiten. Dazu muss man gar nicht viel über Jeff Koons wissen, sondern sich einfach nur Zeit nehmen, die Wahnsinns-Farbwelten beiseiteschieben und hinsehen. Er lässt uns staunen über seine frühen Arbeiten „Luxury & Degradation“, schmunzeln bei der Serie „Made in Heaven“, die nur Volljährige besuchen dürfen, und überrascht uns mit seinen neuen Werken der Reihe „Antiquity“. Alles ganz im Sinne des Künstlers, der sich wünscht, dass wir „... uns von unseren Ideen und Gefühlen tragen lassen ...“ (Interview Vogue, September 2012). Jeff Koons hat viele Facetten und selten waren sie so umfassend an einem Ort zu sehen wie derzeit in der Frankfurter Schirn. „Jeff Koons. The Painter“ läuft noch bis 23. September. Also sputet euch!Bildnachweis/Photocredit: Privatsammlung, Courtesy Gagosian Gallery, Copyright Jeff Koons, Foto: Rob McKeever

Dienstag, 4. September 2012

Hummer, Popeye, Hulk & Co. zu Gast in Frankfurt, Teil 1


Was da so lässig von der Decke hängt und aussieht als warte es auf den nächsten Badeausflug, hat ganz schön für Furore gesorgt. Denn erstens sind die „niedlichen Tierchen“ aus Metall und wiegen in Wirklichkeit mehr als eine halbe Tonne, zweitens stammen sie von dem amerikanischen Künstler Jeff Koons und drittens gehören sie zu einer Ausstellung im Frankfurter Liebieghaus. In dem romantischen Skulpturenmuseum am Mainufer erlebt der Besucher normalerweise altägyptische Werke, Buddhastatuen sowie christliche Holz- und Marmorarbeiten, die eine Zeitspanne von 5000 Jahren umfassen. Jetzt befinden sich dazwischen herrlich glänzende, teilweise überdimensionierte Koons-Skulpturen in Knallfarben. 

Ein Kontrastprogramm der Extraklasse, das die einen begeistert und die anderen entsetzt. Eigentlich der passende Rahmen für einen wie Jeff Koons, der polarisiert wie kaum ein anderer und dem es laut eigenen Aussagen „vor allen Dingen um den Betrachter geht“. Seine Fans wissen genau das zu schätzen. Sie lieben seine Perfektion, seine Modernität, seine Vielfalt und seine Farben. Sammler zahlen bis zu zweistellige Millionenbeträge dafür. Kritiker hingegen sehen darin nichts anderes als teuren Ramsch, dessen Wert gerade mal den Zeitgeist überdauert und nicht nachhaltig ist – aber, wer kann das schon mit Sicherheit behaupten? Schließlich hielt man seine Arbeiten bereits vor über 30 Jahren für nicht zukunftsfähig, als er erstmals Staubsauger unter Plexiglas als Kunst zur Schau stellte (ein Exemplar ist übrigens auch im Liebieghaus zu sehen). Die Welt braucht ein bisschen mehr Koons, ein bisschen mehr Mut zum Anderen. Das Liebieghaus hat sich getraut und die Ausstellung „Jeff Koons. The Sculptor“ ist ein „must see!“. Noch bis zum 23. September.

Bildnachweis/Photocredit: Ausstellungsansicht, Liebieghaus Skulpturensammlung, Foto: Norbert Miguletz

Donnerstag, 1. März 2012

Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna...


George Condo 
... und ein bisschen schräg? Dann ist doch George Condo genau der Richtige für uns. Er malt, was ihm in den Sinn kommt. Nicht aus dem echten Leben, sondern aus der Fantasie heraus. Das Ergebnis sind witzige, freche, provokante und teilweise echt verrückte Arbeiten. Wer sich auf George Condo einlässt, seinen Humor verstehen will, dem zaubert er ein Lächeln ins Gesicht. Kritischen Stimmen mag er etwas zu kommerziell sein. Man munkelt, er malt so viel, um seinen anspruchsvollen Lebensstil zu finanzieren. Der Qualität scheint dies nicht zu schaden. Einige seiner Arbeiten findet man auch im MoMA und Sammler sind bereit 6-stellige Beträge für so manches Porträt hinzublättern.

Die umfassende Ausstellung (70 Gemälde, 10 Skulpturen) des fast 55-jährigen Amerikaners ist nach New York, Rotterdam und London jetzt in der Schirn Kunsthalle Frankfurt angekommen. Ich könnte euch an dieser Stelle eine Menge über den kunsthistorischen Background, der in den Arbeiten Condos steckt, die Anlehnungen an große Maler (von Velázquez bis Picasso) erzählen, aber darüber informiert ihr euch sowieso, wenn ihr sein Werk erst gesehen habt. Mir jedenfalls hat diese Retrospektive im New Museum vor gut einem Jahr einen grauen, kalten Wintertag in New York City zum Highlight gemacht. Und das ist schon was, oder? Bis zum 28. Mai habt ihr noch Zeit – George Condo. Mental States – zu sehen.

Wow – eine bunte Mischung von Condos Porträtarbeiten an einer Wand – das hat Power!
Alle Bilder auf dieser Seite: Copyright Schirn Kunsthalle Frankfurt, Fotos: Norbert Miguletz