Sonntag, 25. Januar 2015

Rothko, Newman, Twombly, Flavin ... das Erbe der de Menils in Houston, Texas

Ich kenne die Menil Collection drüben in Montrose ..., unterbrach mich der Taxifahrer, als ich ihm auch noch die Adresse nennen wollte. ... die kennt hier jeder, denen gehört fast der ganze Stadtteil. Eine der größten privaten Kunstsammlungen der Welt braucht schließlich Platz, dachte ich mir und ersparte mir die Diskussion mit einem Texaner, der nur zögerlich zugab, dass Einwanderer wie die de Menils seiner Heimatstadt ein beeindruckendes Erbe hinterlassen haben.  



Schon von Weitem leuchtet durch den verglasten Eingangsbereich der Menil Collection eine farbenfrohe Arbeit von Frank Stella. Hinter dem Gebäude, nur ein paar Gehminuten entfernt, der Cy Twombly Pavilion genauso wie das Museum von Renzo Piano entworfen. Im Gegensatz zum Museum mit seinen dunklen Holzböden wirkt der Pavillon leicht, hell und die frühen Twombly-Arbeiten wie die großformatigen „Blackboards“ aus den 1960er Jahren (für die werden heute zweistellige Millionenbeträge gezahlt) kommen darin wunderbar zur Geltung. Etwas weiter weg, aber immer noch gut zu Fuß erreichbar, die Rothko Chapel, benannt nach den Arbeiten des Künstlers im Innenraum, mit einer etwa acht Meter hohen Stahlskulptur Broken Obelisk von Barnett Newman davor. Gleich in der Nähe befindet sich Richmond Hall (ein ehemaliger Supermarkt), darin eine weitläufige Lichtinstallation von Dan Flavin. Unglaublich was John und Dominique de Menil hier aufgebaut haben und der Öffentlichkeit über ihren Tod hinaus zugänglich machen. Die Künstler-Liste der Sammlung liest sich wie das „Who's who der Kunstszene des 20. Jahrhunderts. Auch die afrikanischen Statuen und Masken sind handverlesen und ihre Präsentation im Museum ist eine Augenweide für sich: Exotische Pflanzen in einem Atrium aus Glas lassen ihre Herkunft spürbar werden. 

Das Lebenswerk des ursprünglich aus Frankreich stammenden Ehepaars ist ein echtes Highlight. Und das befindet sich ausgerechnet im konservativen Houston. Das war zu jener Zeit vermutlich kein leichtes Unterfangen für die beiden leidenschaftlichen Sammler, die dazu noch eine liberale Haltung vertraten. So lehnte es die Stadt in den 1960er Jahren ab Newmans Obelisk als Geschenk anzunehmen, weil er zu Ehren von Dr. Martin Luther King aufgestellt werden sollte. Kein Problem für die de Menils, sie behielten die Skulptur, wählten den heutigen Standort und bauten dazu die Rothko Chapel. Bravo! Umso besser für uns, denn wir müssen bei einem Besuch keine langen Wege zurücklegen. Mehrere Stunden sollte man dennoch einplanen, es lohnt sich. Bei allen Einrichtungen des Areals ist der Eintritt frei.





Bildnachweis/Photocredit: Jutta Kautny

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