Donnerstag, 25. Juli 2013

Von Pferden, die Frischluft brauchen ... – ein typischer Maurizio Cattelan

Maurizio Cattelan – Ansicht der Ausstellung KAPUTT
„Mama, warum haben die Pferde ihre Köpfe durch die Wand gesteckt?“, fragte ein kleiner Junge in der Ausstellung. Die Antwort der Mutter: „Die schnappen frische Luft“. „Aber warum gehen die nicht einfach nach draußen?“ ... Bevor dieses Frage & Antwort-Spiel ins Endlose weitergehen konnte, zog sie ihren Sprössling aus der Ausstellungshalle.

Ein Dialog, der Maurizio Cattelan vermutlich gefallen würde. Ist er doch selbst immer für Humoriges, Unerwartetes gut – eine Galerieausstellung, die nicht stattfindet, eine Biennale-Zusage ohne Teilnahme, ein fulminanter Abschied vom Kunstbetrieb vor zwei Jahren mit einer umfassenden Retrospektive im Guggenheim Museum New York und jetzt die „Wiederauferstehung“ des 53-Jährigen mit der Ausstellung KAPUTT in der Fondation Beyeler. Okay, es sind keine neuen Werke. Die präparierten Pferde, die da an der Wand hängen als seien sie auf der Flucht (von wegen Frischluft schnappen), kennt man bereits. Im Quintett sind sie jedoch noch nie aufgetreten.

Werbemotiv – Skulptur
und Selbstportrait
Eine imposante Installation und doch irgendwie enttäuschend. Jeder, der es nicht besser weiß, erwartet mehr. Wenigstens die Arbeit, die das Plakat zur Ausstellung ziert, denn das ist gelernt: Was beworben wird, wird auch gezeigt. Aber natürlich nicht bei Cattelan. Und die Fondation Beyeler? Hier erklärt man, dass das Werk schließlich eine neue Zusammenstellung sei und erst nach der Installation so zu fotografieren gewesen wäre. Der Künstler aus dem norditalienischen Padua hat eben seinen eigenen Humor: Ein wenig böse, aber fast immer harmlos und ist der Überraschungsmoment erst verflogen, lässt es sich sogar richtig schmunzeln. Vermutlich brauchten Cattelans Pferde tatsächlich wieder einmal Frischluft.

Zu sehen noch bis 6. Oktober 2013 in der Fondation Beyeler, Riehen bei Basel

Tipp: Cattelans Magazin Toiletpaper – seit 2010 produziert es der umtriebige Künstler gemeinsam mit dem Modefotografen Pierpaolo Ferrari. Ein schräges „Bilderbuch“ und auf den ersten Blick überhaupt nicht komisch. Hier bekommt ihr einen Eindruck. Im Museumsshop der Fondation Beyeler kann man die 8. Ausgabe für 18 Schweizer Franken kaufen.



Bildnachweise/Photocredits: 
links: Auflage von 3 Exemplaren sowie 2 Epreuves d'Artiste von Untitled, 2007, Präparierte Pferde, Foto: Serge Hasenböhler, Basel  
rechts: Jutta Kautny






Kommentare:

  1. Cattelan durchbricht kreative Grenzen und zeigt dabei neues, frisches auf. Ich finde gut, dass er nicht langweilig zeigt, was er vorher beworben hat. Stattdessen zeigt er etwas neues. Seine kreative Arbeit bandelt nicht mit Gewohnheiten.

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  2. Du hast natürlich recht, der Überraschungsmoment gehört Cattelan. Allerdings hätte ich mich über mehr davon gefreut.

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